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Die Zukunft der Pflege in Deutschland - wie können wir Missstände beseitigen und den Menschen stärken?

14
Feb

Die Zukunft der Pflege in Deutschland – wie können wir Missstände beseitigen und den Menschen stärken?

XPOMET©  FUTURE HEALTH PAVILION: FUTURE CARE

“Es gibt Menschen, die liegen stundenlang in ihren Ausscheidungen.” Was klingt wie die Beschreibung der Ausnüchterungszelle des Polizeipräsidiums neben der Münchner Theresienwiese, ist die Realität in vielen Pflegeheimen und Krankenhäusern. Die Pflege ist momentan in aller Munde – spätestens seit der Krankenpfleger Alexander Jorde in der ARD-Wahlkampfarena Bundeskanzlerin Angela Merkel mit aller Deutlichkeit auf die Missstände in der deutschen Pflege ansprach und eine Veränderung forderte, dürfte jeder mitbekommen haben, dass hier etwas nicht stimmt. Pflege wurde zu einem der Hauptthemen im Wahlkampf und auch in den laufenden Koalitionsverhandlungen von Union und SPD – mit einem stark kritisierten Kompromiss. Der demografische Wandel und der Fachkräftemangel bei Pflegekräften forcieren einen Wandel in dem Umgang mit Pflege und befeuern aktuell auch die Diskussion um den Einsatz von digitalen Lösungen im Pflegebereich. Immer häufiger werden digitale Technologien zur Betreuung pflegebedürftiger Menschen eingesetzt, um die Pflege zu verbessern, zu koordinieren und somit die Pflegekräfte erheblich entlasten kann, ebenso wie Angehörige.

 

Credit: www.diakonie-portal.de

 

Die Zukunft der Pflege auf der XPOMET©

Bei der Konzipierung der XPOMET© Convention lag uns das Thema Pflege besonders am Herzen – schon allein, weil dieses gerade im Zusammenhang mit medizinischen Veranstaltungen gerne vernachlässigt wird, Digitalisierung jedoch eben genau hier einen solch enormen Impact haben kann. Heinrich Recken (HFH – Hamburger Fern-Hochschule) und Ingolf Rascher (Deutsche AAL Akademie) haben federführend gemeinsam mit ihren Institutionen als Schirmherren den Bereich “Pflege der Zukunft” für die XPOMET© Convention ausgearbeitet und ein Konzept aus Showcase und Think Tank kreiert, das zum Mitmachen einlädt und innovative Ansätze der Mensch-Technik-Interaktion für die Pflege aufzeigt.

Denn dass in der Pflege endlich Lösungen gefunden werden müssen – in Zusammenarbeit aller Beteiligten für alle Betroffenen – hat die Debatte deutlich gemacht.

 

Think Tank: Pflege der Zukunft

Der Titel des Think Tanks – „Pflege der Zukunft – hat einen doppelten Bedeutungscharakter: Einerseits fokussiert er die Entwicklung der pflegerischen Versorgung, gleichzeitig impliziert er auch die Entwicklung der Profession Pflege. Beide Faktoren stehen miteinander in einem bedingenden Wechselverhältnis. Im Schwerpunkt soll es hier jedoch um die Strukturen der pflegerischen Versorgung und ihre Sicherstellung gehen.

Doch warum benötigt es solch ein Format überhaupt? Ein Blick auf den Status quo zeigt einer aktuellen Studie zufolge momentan, dass auf 13 Patienten in deutschen Krankenhäusern ein Pfleger kommt. Zum Vergleich: In der Schweiz oder in Schweden liegt das Verhältnis bei 8:1. Ähnlich sieht es in deutschen Pflegeheimen aus. Dies stellt nicht nur erschwerte Arbeitsbedingungen für die Pfleger dar, sondern bedeutet auch einen deutlichen Qualitätsverlust in der Pflege selbst und somit eine schlechtere Patientengesundheit. Hinzu kommt die Verwaltungsarbeit, die erhebliche Ressourcen verbraucht. Zeit, die der Pfleger beim Patienten selbst verbringen könnte, nicht nur zur physischen Behandlung, sondern auch zur mentalen Unterstützung – auch der Angehörigen.

Wie könnte die Zukunft der Pflege also aussehen? Dies möchte der Think Tank unter der Leitung von Recken und Rascher beantworten. Ziel ist es, Zukunftsszenarien zu entwickeln, mit welchen Anforderungen an eine technische Unterstützung der Versorgungslandschaft die Herausforderungen angegangen werden müssen, und welche Auswirkungen diese auf Strukturen und Arbeitsbedingungen der Pflegeberufe haben. Der Think Thank soll bei unterschiedlichen Zielgruppen Interesse wecken und das Thema praxisnah vermitteln. Hierzu gehören nicht nur die Pfleger selbst, sondern auch Patientenvertreter, Entscheider aus Krankenhäusern und Pflegeheimen sowie die Politik.

Im Rahmen eines Zukunftsszenarios werden die Herausforderungen in der pflegerischen Versorgung genannt und Lösungsmöglichkeiten durch technische Unterstützung diskutiert. Denn dass die Pflege der Zukunft Digitalisierung und Technik benötigt, zeigt auch ein Blick in die anderen Bereiche des Gesundheitswesens, die durch digitale Lösungen momentan disruptiert werden – und wir sind schon in der zweiten Generation digitaler Technologien angekommen. Neue Lösungen sollen eine bedarfsgerechte Pflege sicherstellen und die Selbstbestimmung von Pflegebedürftigen erhöhen, jedoch unter der Voraussetzung intelligenter Konzepte und sinnvoller Koordination.

 

Future Health Ausstellung

Einen Ausblick in die Zukunft gibt hier der zugehörige Showcase in der Future Health Ausstellung. Dort sollen mittels interaktiver Exponate Schwellenängste abgebaut und Spaß und Begeisterung für den Einsatz moderner ePflege ermittelt werden, unterstützt durch Hintergrundinformationen. Durch Ausprobieren erleben die Besucher den wissenschaftlichen und praktischen Nutzen einer zukunftsfähigen Arbeit in der Pflege. Dargestellt wird neben der stationären Alterspflege auch die ambulante Intensivpflege, ebenso wie die Schnittstelle Krankenhaus – Häuslichkeit, die zukünftig eine immer wichtigere Rolle spielen wird. Dazu gehört auch der Bereich der Vernetzten Versorgung. Über allem stehen mit Dokumentation und Prozesse die Aufgaben des Pflegers. Weitere Segmente des Bereichs werden beispielsweise auch Workshops zur Verwendung von Pflegerobotern sein uvm.

Programmübersicht: Zukunft der Pflege, 21. März 2018

Maximilian Greschke

(Geschäftsführer, Veyo Care GmbH)

The Future of Home Health Care: How Digitization will Drive Consolidation in the Delivery of Home Care

 

Dr. Benedikt Zacher

(Gründer, pflege.de)

Notruf- und Assistenzsysteme in der häuslichen Pflege

 

Hannes Eilers

(M.Sc. Laboringenieur Robotik, FH Kiel)

Roboter in der Altenpflege: Wie man es richtig macht

 

Heiko Mania

(Geschäftsführer, NursIT Institute GmbH)

Lean Nursing – Wie die Digitalisierung die Pflege verändert

 

Dr. Dirk Hunstein

(Geschäftsführender Gesellschafter ePA-CC GmbH)

„Elektronische Dokumentation: Denkt demnächst der Computer für mich?“

 

Dr. Marija Radic

(Leiterin der Gruppe Preis- und Dienstleistungs- management, Fraunhofer-Zentrum in Leipzig)

Atmosphäre – eHealth Innovationen für mehr Lebensqualität bei Multimorbidität 

 

Think Tank: Pflege der Zukunft

Presented by Heinrich Recken, Leiter, HFH-Studienzentrum Gesundheit und Pflege Hamburg

 

Workshop: Entwicklung von Einsatzszenarien von Robotern in der Altenpflege

Presented by Hannes Eilers, FH Kiel Fachbereich Informatik & Elektrotechnik

 

Programmübersicht: Zukunft der Pflege, 23. März 2018

 

Dr. Alexander König

(Gründer & Geschäftsführer, ReActive Robotics GmbH)

One step at a time: Very early Mobilization for Intensive Care Patients – improve Life by robotic assisting Support

 

Heinrich Recken

(Leiter, HFH-Studienzentrum Gesundheit und Pflege Hamburg)

und

Prof. Dr.-Ing. Michael Prilla

(Professor, Institut für Informatik der Fakultät für Mathematik/ Informatik und Maschinenbau, Technische Universität Clausthal)

Vorstellung Forschungsprojekt: Potenzial von Augmented-Reality-Brillen in der Intensivpflege

 

Credit: fraserhealth.ca

 

 

 

 

Credit: Titelbild: Bild.de/ STRANGMANN/EPA/REX/Shutterstock

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